„Kindgerecht umziehen
in ein fremdes Land“ (Teil 1)

12 Tipps für einen gelungenen Umzug mit Kindern ins Ausland

Wie bereite ich mein Kind auf einen Umzug ins Ausland vor? Wie begleite ich mein Kind bestmöglich? Wie wecke ich Vorfreude auf die neue Heimat?

„Wir ziehen nach …!“. Eine Entscheidung, die enorme Auswirkungen auf die ganze Familie hat. Wir Erwachsenen haben eine recht gute Vorstellung davon, was dieser Schritt bedeutet. Kinder nicht.

Kindern diese Entscheidung zu erklären und sie auf die großen Veränderungen vorzubereiten, ist eine wichtige, aber auch schwierige Aufgabe für uns Eltern.

In meiner sechsteiligen Reihe „Kindgerecht umziehen in ein fremdes Land“ gebe ich angehenden Expat- und Auswanderer-Familien Tipps und Ideen an die Hand, wie sie ihre Kinder bestmöglich vorbereiten können, sie begleiten und Vorfreude wecken – basierend auf unseren persönlichen Erfahrungen als Expat-Familie in den USA.

Teil 1: Warum ist eine Vorbereitung auf einen Umzug ins Ausland in jedem Alter sinnvoll? Zu welchem Zeitpunkt sagen wir den Kindern, dass wir in ein anderes Land ziehen?

Teil 2 : Was sollte ich berücksichtigen, wenn ich Freunden und Familie von einem Umzug ins Ausland erzähle? Wie gehe ich mit unterschiedlichen Gefühlen meines Kindes um?

Teil 3 : Welche Meilensteine eines Umzugs ins Ausland sind für meine Kinder relevant? Wie können Bücher uns bei der Vorbereitung auf einen Umzug ins Ausland unterstützen?

Teil 4 : Wie feiern wir Abschied vor unserem Umzug ins Ausland? Wie wird der Look & See Trip ein Erfolg?

Teil 5 : Welche Rolle spielt das neue Zuhause? Wie erleichtere ich es meinem Kind, neue Freunde zu finden?

Teil 6 : Was sollte ich beim Packen für einen Umzug ins Ausland berücksichtigen? Wie kann ich mein Kind mit der Sprache in unserem neuen Heimatland vertraut machen?

Teil 1

Warum ist eine Vorbereitung auf einen Umzug ins Ausland in jedem Alter sinnvoll?

 „Wir ziehen nach Amerika!“ Diese Neuigkeit rief bei unseren Freunden Reaktionen hervor wie „Ach, wie aufregend! Da habt ihr euch aber etwas vorgenommen.“ Aber wie reagieren Kinder auf solch eine Nachricht?

Egal, ob für ein paar Monate, ein paar Jahre oder ob eine unbegrenzte Auswanderung bevorsteht: Für Kinder bedeutet ein Umzug ins Ausland eine riesige Veränderung, die sie nicht abschätzen können – je jünger, desto weniger.

In diesem Artikel möchte ich mich auf die Vorbereitung von Kindern auf einen Umzug ins Ausland im Alter von zwei bis ca. sechs Jahre konzentrieren. Gibt es zum Thema Umzug mit Kindern ins Ausland doch recht wenig Lektüre. Und gerade kleine Kinder haben durch ihre geringe Lebenserfahrung keine Vorstellung davon, was auf sie zu kommt.

Vielleicht geht es euch als angehende Expatmama genauso, wie mir Ende 2018. Als die Entscheidung fiel, dass wir in die USA ziehen, habe ich mir sehr viele Gedanken darüber gemacht, was wir unseren Kindern mit dem Umzug „antun“. Ich wollte meine damals dreijährige Tochter auf diese große Veränderung optimal vorbereiten. Ihr die Sicherheit geben, dass sie sich auf unser Abenteuer freuen kann und dass sie sich gut einlebt. Bei unserem frischgeborenen Sohn machte ich mir da keine Sorgen 😉

Und was soll ich sagen. Unsere Tochter (bei Umzug dreieinhalb Jahre alt) ist ganz schnell in unserer neuen Heimat angekommen – schneller als ich. Bereits zwei Wochen nach Ankunft in den USA wollte sie in den Kindergarten gehen. Nach vier Tagen „Eingewöhnung“ im Kindergarten teilte sie mir mit, dass sie bis nach dem Mittagessen bleiben wolle – alleine.

Meine Vorbereitung hat sicherlich geholfen, aber ich wage zu behaupten, dass ich mir zu viele Sorgen gemacht habe. Kleine Kinder passen sich unheimlich schnell an – das haben unsere beiden gerade wieder unter den gegebenen Corona-Bedingungen unter Beweis gestellt – und lassen alte Gewohnheiten hinter sich.

Eine gute Vorbereitung ist dennoch in jedem Alter sinnvoll, um das Abschiednehmen und Ankommen in der neuen Heimat zu erleichtern bzw. zu verkürzen. Auch kleine Kinder reagieren – je nach Charakter – zum Teil enorm auf Veränderungen. Manche Kinder hören auf zu sprechen, manche klammern unentwegt an Mamas Bein, manche Kinder drehen völlig auf und können nicht mehr schlafen.

Nachfolgend möchte ich euch Tipps und Ideen an die Hand geben, wie ihr euren Kindern helfen könnt, den Umzug in ein neues Heimatland zu erleichtern und positiv zu gestalten.

Zu welchem Zeitpunkt sagen wir den Kindern, dass wir in ein anderes Land ziehen?

Bei uns hat die Frage „Entsendung ja oder nein“ für längere Diskussion gesorgt und viele Frage aufgeworfen. Ich war unsicher, ob es die richtige Entscheidung ist und traurig, weil wir weit weg von Familie und Freuden sein würden. Ich machte mir Sorgen, wie die Kinder die große Veränderung mitmachen. Und mich beschäftigte die Frage – wie und wann sagen wir es den Kindern? (in unserem Fall „nur“ unserer Tochter, weil unser kleiner zu dem Zeitpunkt noch ein Baby war)

Einen Umzug ins Ausland zu planen und vorzubereiten ist super anstrengend. Es gibt so viel zu erledigen und zu besprechen. Die Kinder sollten möglichst wenig von unserem Stress mitbekommen. Vor allem nicht, so lange nicht sicher ist, dass wir auch wirklich wegziehen. Bei manchen Arbeitgebern zieht sich der Prozess, weil erst Jobinterviews geführt werden und oder die Rahmenbedingungen langwierig verhandelt werden. Eine selbstorganisierte Auswanderung bedarf ggf. noch mehr Recherche, Vorbereitung und Finanzierung. Dem ein oder anderen vergeht dann noch die Lust.

Bevor nicht sicher ist, dass die Auslandsentsendung oder Auswanderung erfolgt, die Kinder nicht „scheu“ machen. Auch wenn das Verständnis für eine solche Veränderung – vor allem bei kleinen Kindern – gering ist, sollten wir unsere Kinder nicht unnötig belasten.

Alltag und Routinen aufrechterhalten.

Die Anfrage, ob wir für eine Entsendung in die USA zur Verfügung stehen, erfolgte im Dezember 2018. Die tatsächliche Entscheidung fiel für uns im Februar, nachdem die Bedingungen feststanden. So lange habe ich auch gebraucht, um mich an den Gedanken zu gewöhnen und dem Abenteuer positiv entgegen zu sehen.

Solange nichts feststand und unsere Kinder nichts von den Plänen wussten, versuchten wir den bestehenden Alltag möglichst aufrecht zu erhalten. D.h. unsere Zeit für Fragen und Abstimmung war – so weit möglich – während die Kinder in der Kita / im Kindergarten waren oder schliefen. Die restliche Zeit habe ich mit den Kindern gestaltet wie immer. Wie die meisten kleinen Kinder, lieben unsere Kids die Routine. Routinen geben ihnen Sicherheit und Orientierung. Sehr wichtig in einer Zeit des Umbruchs, in der Kinder eventuell schon spüren, dass „etwas im Busch“ ist.

Schöner „Nebeneffekt“: Den Alltag wie gewohnt zu gestalten, hat dazu geführt, dass ich meine Freunde und Familie vor dem Umzug noch oft gesehen und die Zeit diesbezüglich bestmöglich genutzt habe. Darüber bin ich im Nachhinein sehr froh. Corona bedingt haben wir seit über einem Jahr keinen Besuch aus Deutschland mehr gehabt.

Zeitverständnis und Unabhängigkeit berücksichtigen

Je kleiner die Kinder sind, umso mehr leben sie im Hier und Jetzt. Erst mit drei oder vier Jahren entwickeln Kinder ein erstes Zeitgefühl für Gestern, Heute und Morgen. Mit etwa fünf Jahren können sich Kinder unter einem Zeitraum von z.B. drei Monaten etwas vorstellen.

(Kleinen) Kindern von den großen Umzugsplänen sehr früh zu erzählen, ist also nicht unbedingt notwendig oder sinnvoll. Je jünger, desto kürzere Vorläufe sind ausreichend.

Ein zweijähriges Kind kann ein bis zwei Wochen bevor die Möbelpacker kommen, spielerisch vorbereitet werden. In dem Alter sind sie noch sehr auf Mama und Papa fixiert, so dass der Verlust von Freunden nicht so schwer wiegt.

Bei Kindergartenkindern können zwei bis drei Monaten zur Vorbereitung dienen. Die verschiedenen Schritte (z.B. Packen, Abschiedsfeier, Abflug) werden in dem Alter schon verstanden und können von den Kindern mitgestaltet werden.

Wir haben unserer Tochter (damals gerade drei Jahre geworden) ungefähr drei Monate bevor wir nach Amerika ziehen wollten, von den Plänen erzählt. Es war zu dem Zeitpunkt sicher, dass wir umziehen. Der Vertrag war unterschrieben, die Bedingungen für die Entsendung geklärt und der Zeitrahmen abgesteckt.

Ich war ganz schön nervös, wie sie reagieren würde. Beim Abendessen haben wir ihr dann erzählt, dass Papa eine neue Arbeit hat. Da die neue Arbeit weit weg in Amerika ist, ziehen wir alle zusammen dorthin. Zunächst hat sie das Thema gar nicht weiter interessiert. Erst als es konkreter wurde und wir unsere persönliche Version des Buches „Maxi zieht nach Amerika“ mehrfach gelesen hatten, fing sie an, Fragen zu stellen.

Berücksichtigen und ernst nehmen solltet ihr bereits im Kindergartenalter das Thema Freundschaft. Die ersten Kinderfreundschaften bilden sich ab dem dritten Lebensjahr. Diese sind noch brüchig und wechseln öfter, erleben Kindergartenkinder noch viel Neues und entwickeln schnell andere Vorlieben. Dennoch sollten Kinder die Möglichkeit haben, selber zu entscheiden, wie lange sie eine Freundschaft pflegen wollen. Sich von den eigenen Freunden zu verabschieden, sollte also ein Bestandteil eurer Vorbereitung auf den Umzug sein. Genauso wie die Planung, wie die Freundschaft weiter aufrecht erhalten bleiben kann. (Mehr dazu in den folgenden Teilen.)

Weiter zu:

Teil 2 : Was sollte ich berücksichtigen, wenn ich Freunden und Familie von einem Umzug ins Ausland erzähle? Wie gehe ich mit unterschiedlichen Gefühlen meines Kindes um?

Teil 3 : Wie können wir die Meilensteine eines Umzugs ins Ausland für Kinder begreifbar machen? Wie können Bücher uns bei der Vorbereitung auf einen Umzug ins Ausland unterstützen?

Teil 4 : Wie feiern wir Abschied vor unserem Umzug ins Ausland? Wie wird der Look & See Trip ein Erfolg?

Teil 5 : Welche Rolle spielt das neue Zuhause? Wie erleichtere ich es meinem Kind neue Freunde zu finden?

Teil 6 : Was sollte ich beim Packen für einen Umzug ins Ausland berücksichtigen? Wie kann ich mein Kind mit der Sprache in unserem neuen Heimatland vertraut machen?

Die Tipps basieren auf meiner Erfahrung und sind als Hilfestellung und Ideengeber gedacht. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Eltern kennen ihre Kinder am besten. Vertraut auf euer Gefühl, was in eurem individuellen Fall am sinnvollsten ist.

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