„Kindgerecht umziehen
in ein fremdes Land“ (Teil 5)

12 Tipps für einen gelungenen Umzug mit Kindern ins Ausland

Welche Rolle spielt das neue Zuhause?

Was kommt mit ins neue Heim?

Zuhause ist, wo wir zusammen sind. Ich finde das einen sehr schönen Spruch. Für kleine Kinder sind die Eltern als engste Bezugspersonen das Wichtigste. Wo Mama und Papa sind, da möchte auch ich sein. Das (neue) Zuhause – also Wohnung oder Haus – ist aber auch ein Rückzugsort, eine Wohlfühloase, wo alles Hab und Gut versammelt ist. Und dieses bekannte Hab und Gut – bei Kindern hauptsächlich Spielsachen, Kindermöbel, Geschirr, etc. – bringt in ein neues Zuhause Erinnerungen mit, gibt Sicherheit und sorgt für ein schnelleres Wohlgefühl.

Wer den Umzug zum Ausmisten nutzt, sollte die Sachen der Kinder lieber ausklammern. Auch wenn euer Eindruck ist, dass einige Kuscheltiere nie bespielt wurden, können sie im Ausland plötzlich schmerzlich vermisst werden. Das Laufrad ist eigentlich zu klein und euer Kind ist auf ein Fahrrad gewechselt? In fremder Umgebung fühlt sich euer Kind eventuell auf dem alten kleinen Laufrad zunächst wohler. Wenn also Platz im Container ist, lieber auch das Laufrad mitnehmen.

Der Umzug in ein fremdes Land bringt so viele Veränderungen mit sich, da muss ein neues Bett oder gar ein komplett neues Kinderzimmer nicht sein. Kinder freuen sich über ihre „alten“ Spielsachen, die lange Zeit im Container o.ä. unterwegs waren. Diese gemeinsam auszupacken und im neuen Heim einzuräumen, hilft beim Ankommen.

Wünscht sich euer Kind schon seit längerem ein neues großes Bett mit Rutsche (ich spreche aus Erfahrung 😉), kann der Umzug Anlass sein, diesen Wunsch endlich zu erfüllen. Aber aufgepasst! Erst sicher gehen, dass genug Platz im neuen Heim ist und, dass der Wunsch vor Ort auch erfüllt werden kann. Es macht eventuell Sinn (wegen Angebot, Kosten oder Qualität), die Neuanschaffung noch vor Umzug zu tätigen. Dabei unbedingt vorher abklären, wie die Zollbestimmungen sind!

Wie soll das neue Zuhause aussehen?

Wer sich auf die Suche nach einem neuen Zuhause macht, überlegt zu Beginn „Wo möchte ich wohnen und wie soll mein neues Zuhause aussehen?“ Im zweiten Schritt folgt meist der Abgleich, „Was kann ich mir leisten? Welche Abstriche muss ich eventuell machen?“.

Ein neues Zuhause im Ausland zu suchen, ist durch die Distanz schwieriger. Mit Hilfe der zahlreichen Onlineangebote und Infos bezüglich Wohnverhältnisse, Schulrankings und Kriminalstatistiken (je nach Datenschutzgesetzen mehr oder weniger umfangreich), könnt ihr aber auch aus der Ferne ganz gut abschätzen, was in Frage kommt bzw. was möglich ist.

Sitenote: Hier in den USA lohnt sich ein Blick auf die Schulrankings. Gute Schulen liegen i.d.R. in guten Wohngegenden. Wer mit Schulkindern oder Kindern, die während des Auslandaufenthaltes eingeschult werden (in USA mit 5 Jahren!), hierherzieht, sollte das bei der Wahl des Wohnortes berücksichtigen.

Das Tolle an einer Entsendung ist, ihr könnt euch eventuell einen Wohntraum erfüllen. Ein Haus oder eine Villa mit großem Garten, Teich und Pool? Ein Häuschen in Strandnähe? Hier in den USA beispielsweise absolut möglich!

Wenn ihr als Expat Familie entsendet werdet, bekommt ihr meist ein Wohnbudget vom Arbeitgeber, dass eure Wohnmöglichkeiten im neuen Heimatland festlegt.

Sobald ihr eine Vorstellung davon habt, was für ein Zuhause in eurem neuen Heimatland möglich ist, lasst eure Kinder teilhaben und fragt sie nach ihren Wünschen.

Gemeinsam zu überlegen, wie das neue Zuhause aussehen soll – wie viele Zimmer, ob ein Garten dabei ist etc. – führt dazu, dass sich euer Kind nicht ganz so hilflos und fremdbestimmt fühlt.

Aber Achtung: keine zu großen oder falschen Erwartungen wecken!

Unsere Tochter wünschte sich ein gelbes (wie bei „Conni zieht um“) oder ein blaues Haus und ein Trampolin im Garten. Glücklicherweise wohnen wir nun in einem gelben Haus und schauen auf ein blaues Haus. Das Trampolin haben die Großeltern vor Abflug nach Amerika beiden Kindern als Gutschein geschenkt. Für uns ist es also gut gelaufen 😉

Andere Expat-Familien haben sich ein Haus mit Pool und riesigem Klettergerüst im Garten gegönnt. Das ist für Kinder fast nicht zu toppen 😉

In manchen Ländern ist es üblich, dass Expats in Wohnkomplexen leben. Es kann also auch passieren, dass ihr euch wohnraummäßig verkleinert. Aber auch in dem Fall gibt es Vorzüge. I.d.R. bietet solch eine Anlage einen Pool, Spiel-Bereiche oder gar ein eigenes Kino. Schneller Anschluss an andere Expat-Familien und eine lebendige, aufregende Stadt inklusive.

Nachdem wie unser neues Zuhause in New Jersey bezogen hatten, ging unsere Tochter ganz stolz durch das Haus und zeigte ihrer Freundin in Deutschland alle Zimmer per Videochat. Das Teilhabenlassen hat sicherlich dazu beigetragen, dass sie sich nicht so meilenweit entfernt gefühlt hat, wie sie tatsächlich war.

Wie erleichtere ich es meinem Kind, neue Freunde zu finden?

Gleichaltrige Freunde sind für Kinder wichtig – je älter, umso wichtiger. Die gleiche Sprache ist je nach Alter noch zweitrangig. Aber wie finde ich Kontakte zu gleichaltrigen Kindern und bestmöglich auch für mich in einem fremden Land?

Andere Expats

Manche Expatriates haben das Glück, über den Arbeitgeber Kontakte zu Expats in der gleichen Region zu finden – bestmöglich mit Kindern im selben Alter (das ist gar nicht so selten! Familien lassen sich eher mit Kleinkindern entsenden). Diese Chance solltet ihr ruhig schon vor dem Umzug nutzen! Die meisten Expat-Familien sind sehr hilfsbereit und offen. So könnt ihr nicht nur für eure Kinder erste Kontakte knüpfen, sondern auch für euch!

Ist es nicht eine schöne Vorstellung, dass schon vor eurem Umzug ins neue Heimatland Freunde dort auf euch warten?

Wir hatten tatsächlich dieses Glück. Zwei Monate vor uns, zog ein Kollege meines Mannes mit seiner Familie ebenfalls ins Morris County nach New Jersey.

Außerdem machte ich mich nach dem Tipp einer Freundin auf die Suche nach entsprechenden Facebook Gruppen. Und Tada: auf Facebook fand ich zahlreiche Gruppen wie z.B. „Expatmamas“ oder „Weltfrauen“ und auch regionalere wie „Deutsche in Singapore“ oder „Citykinder“. Fragen und Kontaktsuchen sind hier überall herzlich willkommen (vgl. auch: Wie wird der Look &See Trip ein Erfolg?).

Auf mein Posting erhielt ich viele liebe Antworten mit hilfreichen Tipps und Kontaktangeboten. Beispielsweise meldete sich Sabine, die mir versicherte, dass wir nach Ankunft in New Jersey in die deutsche Playdate Gruppe aufgenommen werden.

Mit drei anderen Expatamamas stand ich nach meinem Posting regelmäßig in Kontakt. Per Facebook stellte ich Fragen – und zwar nicht wenige – die sie alle geduldig beantworteten. Selbst Hausangebote haben wir gemeinsam diskutiert 😊 Und zusätzlich per Telefon nahmen sie mir etwas die Sorge vor der großen Veränderung! Meine eigene Vorfreude auf das Abenteuer USA hat sich dadurch enorm vergrößert.

Nach unserem Umzug in die USA waren wir bei den Familien eingeladen – zum klassischen American BBQ und Pizza essen. Es war so schön zu sehen, dass sich die Kids schnell anfreundeten. Die gleiche Situation verbindet nicht nur Erwachsene 😊

Auch wenn es euch eventuell unangenehm ist und ihr Facebook und Co ewig nicht genutzt habt, in dieser Situation kann ich nur empfehlen, euer Profil wieder zu aktivieren und zu nutzen. Wie sagte mir eine Expatmama „Ohne Facebook bist du hier in den USA niemand“. Ganz so schlimm ist es nicht, aber Facebook ist hier tatsächlich noch erheblich lebendiger und eine super Infoquelle für regionale Infos und Veranstaltungen.

Einheimische Kontakte

Vor dem Umzug bereits Kontakte zu Einheimischen herzustellen, ist am einfachsten über Kollegen. Aber auch hier können die sozialen Medien hilfreich sein. Unser aktueller Wohnort in New Jersey hat eine eigene Facebook „Parent“ Gruppe, in der sich regelmäßig neu Zugezogenen melden. Über diese Gruppen könnt ihr viele Infos und hilfreiche Tipps finden (Handwerker, Daycares,..) und auch schon nach Spielgruppen oder Empfehlungen für eure Kids fragen.

Neben Sport- und Musikgruppen (z.B. YMCA, Life Time, US sports, School of Rock) bieten in den USA bspw. Büchereien Aktivitäten für Kinder. Nach unserer Ankunft in den USA waren wir mehrmals zu Singkreisen in der Bücherei. Mehr als netter Small Talk – meist mit Nannys – ist dabei bei uns nicht herausgekommen, aber das kann bei euch anders sein.

Unsere Nachbarn haben tatsächlich ein Welcome Get together mit mehreren Nachbarn für uns veranstaltet. Es war ein schöner Abend, allerdings waren unsere Kids viel zu schüchtern, um mit den anderen Kids zu spielen – was sich bisher nicht geändert hat. Wir haben insgesamt ein sehr nettes Verhältnis zu unseren amerikanischen Nachbarn mit Einladungen zum Kaffee oder Bier trinken, Blumen gießen etc.
Generell verbringen amerikanische Kinder nicht so viel Zeit draußen – entweder weil sie ganztags in der Schule/ Daycare sind oder bei anderen (fördernden) Aktivitäten oder vor dem TV… (unser Eindruck). Auch andere Expats haben die Erfahrung gemacht, dass zumindest hier in den USA die Leute eher unter sich bleiben. Wenn sie hören, dass man bspw. nur für drei Jahre bleibt, „lohnt“ sich der Aufwand eine Freundschaft aufzubauen für sie nicht. Die Dauer eures Aufenthalts würde ich daher etwas wage halten.

Anschluss und Playdates mit einheimischen Kindern haben wir „nur“ über die Daycare gefunden. Das hat allerdings einige Zeit gedauert. In unserer Daycare (geöffnet 7 bis 18 Uhr) sind hauptsächlich Kinder von Vollzeitberufstätigen Eltern. D.h. die Kinder haben unter der Woche keine Zeit, da sie erst abends abgeholt werden. Am Wochenende sind Familienzeit und andere Aktivitäten angesagt, so dass auch dann wenig Zeit für Treffen bleibt. Die Eltern sehen wir quasi gar nicht. Bei der Wahl eures Kindergartens kann es daher Sinn machen, eine Einrichtung zu wählen, die weniger Stunden umfasst.

Sitenote: Hier in den USA soll kein Kind ausgeschlossen werden. Zum Kindergeburtstag wir die gesamte Gruppe oder Klasse eingeladen – wenn gefeirt wird. Die Geburtstage finden in der Regel nicht zu Hause statt, sondern extern. In einem Playcafe, einer Sportlocation, im Trampolinpark oder oder. Die Geburtstagsfeier wird von dem externen Anbietern komplett moderiert. In 1,5 Stunden findet eine Aktivität statt, es wird Pizza gegessen und zum Nachtisch eine Geburtstagstorte. Danach gehen alle nach Hause. Die Geschenke werden bei Ankunft abgegeben und nicht gemeinsam ausgepackt. Das soll verhindern, dass sich jemand schlecht fühlt, weil z.B. das Geschenk beim Geburtstagskind nicht so gut ankommt. Dafür erhält jedes Kind ein Goodie Bag am Ende und ein paar Tage später ein Dankeskärtchen für das Geschenk.
Diese Art zu feiern, ist für uns immer noch gewöhnungsbedürftig. Das Schöne daran ist, auch als ganz neues Kind in der Gruppe wurde unsere Tochter direkt zu den Geburtstagen eingeladen. Dadurch hatten wir Eltern die Chance, Eltern aus der Daycare kennen zu lernen. Normalerweise sehen wir die anderen Eltern nämlich kaum (s.o.) – Corona bedingt aktuell noch weniger.

Fazit: Andere Expats (nicht nur deutsche) befinden/ befanden sich in der gleichen Situation – das verbindet und macht das Anschlussfinden einfach. Sie können nachvollziehen, wie ihr euch fühlt und wissen, was hinter so einem Umzug ins Ausland steckt. Ich kenne mittlerweile viele tolle Expat-Freundschaften – zwischen Erwachsenen und Kindern!

Weiter zu:

Teil 6 coming soon: Was sollte ich beim Packen für einen Umzug ins Ausland berücksichtigen? Wie kann ich mein Kind mit der Sprache in unserem neuen Heimatland vertraut machen?

Zurück zu:

Teil 1 : Warum ist eine Vorbereitung auf einen Umzug ins Ausland in jedem Alter sinnvoll? Zu welchem Zeitpunkt sagen wir den Kindern, dass wir in ein anderes Land ziehen?

Teil 2 : Was sollte ich berücksichtigen, wenn ich Freunden und Familie von einem Umzug ins Ausland erzähle? Wie gehe ich mit unterschiedlichen Gefühlen meines Kindes um?

Teil 3 : Wie können wir die Meilensteine eines Umzugs ins Ausland für Kinder begreifbar machen? Wie können Bücher uns bei der Vorbereitung auf einen Umzug ins Ausland unterstützen?

Teil 4 : Wie feiern wir Abschied vor unserem Umzug ins Ausland? Wie wird der Look & See Trip ein Erfolg?

Die Tipps basieren auf meiner Erfahrung und sind als Hilfestellung und Ideengeber gedacht. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Eltern kennen ihre Kinder am besten. Vertraut auf euer Gefühl, was in eurem individuellen Fall am sinnvollsten ist.

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