„Kindgerecht umziehen
in ein fremdes Land“ (Teil 2)

12 Tipps für einen gelungenen Umzug mit Kindern ins Ausland

Was sollte ich berücksichtigen, wenn ich Freunden und Familie von einem Umzug ins Ausland erzähle?

Die Einen erzählen gerne sofort von kleinen und großen Neuigkeiten – unabhängig davon, ob schon alles geritzt ist. Andere warten lieber bis alles in trockenen Tüchern ist und sie bereits genaue Details erzählen können. Mein Mann und ich gehören eher zu den redseligen. Wir haben quasi von Tag 1 mit unseren Eltern und engsten Freunden darüber diskutiert, ob wie diese Chance ergreifen sollen und sie auf dem Laufenden gehalten. Unserer Tochter (damals 3 Jahre) wollten wir allerdings erst von den großen Plänen erzählen, wenn wirklich sicher ist, dass wir umziehen, um sie nicht unnötig zu belasten.

Erzählt ihr euren Familien und Freunden vor euren Kindern von euren Umzugsplänen, weist sie bitte darauf hin. Es wäre sicherlich nicht in eurem Sinne, wenn eure Kinder von jemand anderem erfahren, dass ihr bald weit weg in ein fremdes Land zieht.

Die wenigsten Großeltern sind glücklich darüber, dass ihre Enkelkinder weit wegziehen und sie sie nicht mehr regelmäßig sehen können. Und eventuell gibt es auch Freunde, die von einer Auslandentsendung oder Auswanderplänen nicht viel halten. Vorbehalte und gegebenenfalls negative Einstellungen sollten eure Kinder nicht zu spüren bekommen oder sich anhören müssen. Sensibilisiert Freunde/Familie auch diesbezüglich und sprecht das offen an.

Kinder bekommen (leider) manchmal mehr von Unterhaltungen mit, als gedacht. Daher immer darauf achten, was ihr im Beisein eurer Kinder – und deren Freunde – erzählt und wie. Ganz leicht gefallen ist mir das nicht. Meine eigenen Zweifel und Sorgen wollte ich natürlich gerne mit meinen Freundinnen besprechen – die ich (leider) meistens auf dem Spielplatz getroffen habe.

Randnotiz: Nachdem auch unsere Tochter von unserem Umzug nach Amerika wusste (ca. drei Monate vor Umzug, siehe Teil 1), hat sie von sich aus Oma und Opa sowie ihren engsten Freunden davon erzählt. Es war interessant zu hören, wie sie es erzählt und welche Punkte sie besonders betonte. Vielleicht ergibt sich diese Situation bei euch genauso. Nutzt diese Chance und lasst eure Kinder erzählen. So erfahrt ihr, welche Aspekte eure Kinder am meisten beeindrucken und bewegen.

Wie gehe ich mit den unterschiedlichen Gefühlen meines Kindes um?

Ein neues Land, eine neue Stadt, ein neues Zuhause, eine neue Sprache, ein neuer Kindergarten, neue Freunde, neue Lieblingsspielplätze – das klingt aufregend. Die vielen Veränderungen klingen aber auch beängstigend und anstrengend. Ich selbst hatte riesen Respekt vor unserem Vorhaben!

Haben eure Kinder schon einen festen Freundeskreis und ein enges Verhältnis zu den Großeltern, Tanten oder Onkeln, wird der Verlust dieser Bezugspersonen wahrscheinlich ein großes Thema – vor, während und nach dem Umzug.

Je älter die Kinder sind, desto eher wird ihnen bewusst, was sie bei einem Umzug ins Ausland zurücklassen müssen.

Die Reaktionen auf diese Erkenntnis können sehr unterschiedlich ausfallen und je nach Tagesform und Charakter schwanken. Neugierige, unabhängige Weltentdecker freuen sich wahrscheinlich auf das Abenteuer und können es kaum abwarten, bis es los geht (so erzählt eine Expatmama-Freundin von mir). Der größere Teil der Kinder wird zwischenzeitlich traurig, unsicher oder wütend werden (so wie unsere Tochter).

Je kleiner die Kinder sind, desto unwahrscheinlich ist es, dass sie uns direkt sagen (können) „Mama, ich bin wütend, dass wir umziehen“, „Papa, ich bin traurig, weil Oma und Opa mich nicht mehr jeden Dienstag vom Kindergarten abholen können“. Sie zeigen es uns eher mit Wutanfällen in Alltagssituationen, die bisher kein Problem waren oder mit (für uns) übertriebenem Geheule, weil sie hingefallen sind. Unsere Tochter hat vor dem Umzug ein paar neue kleine „Spleens“ entwickelt (plötzlich passten ihr z.B. keine Schuhe mehr). Es war schwierig für mich zu erkennen, was der Auslöser war – steckt der Umzug dahinter oder war es „nur“ eine „normale Entwicklungsphase“? Ich habe mir immer wieder gesagt: „Bleib locker, versuch es mit Humor zu nehmen und sei geduldig. Ommm.“ Für so kleine Menschen, die eigentlich die Routine lieben und brauchen, ist so eine Entwurzelung ganz schön hart. Daher an dieser Stelle auch nochmal meine Empfehlung: so lange wie möglich den gewohnten Alltag aufrechterhalten!

Für Kinder da zu sein, ihre Gefühle zuzulassen und ernst zu nehmen, ist wichtig – vor allem während so einer Umbruchsphase. Auch wenn immer wieder dieselben Fragen gestellt und die gleichen Ängste angesprochen werden, bleibt geduldig. Mit immer denselben Antworten, gebt ihr euren Kindern Sicherheit. Gebt gerne zu, dass auch ihr traurig seid und den Neuanfang etwas fürchtet. Aber alles in Maßen. Wir als Erwachsene treffen die Entscheidung der großen Veränderung. Unsere Aufgabe ist es, unsere Kinder dabei zu unterstützen, diese enormen Veränderungen bestmöglich zu bewältigen.

Gerne wenden wir Erwachsenen den Blick schnell auf positive Aspekte und lenken unsere Kinder ab. Positiv sein und von Dingen erzählen, auf die sich die Kinder freuen könne, ist auch sicher richtig. Aber alle Gefühle brauchen ihren Raum. Ein Ritual kann helfen, negative Gefühle zu überwinden und zu verarbeiten. Wenn euer Kind traurig ist, könnt ihr beispielsweise zusammen auf der Couch kuscheln und darüber sprechen, was genau euer Kind traurig macht und was dagegen helfen kann (Bei Mama hilft da im Zweifel eine große Portion Eis).

Vielleicht könnt ihr ein neues Kuscheltier oder eine neue Puppe kaufen, die beim Traurig sein Trost spendet.

Ihr könnt gemeinsam überlegen, was euer Kind noch mit dem Freund/ der Freundin/ Oma oder Opa vor der Abreise machen möchte: ein letztes Mal bei der Freundin übernachten, ein letztes Mal mit Oma in den Zoo gehen etc.

Probiert doch auch schonmal aus, wie euer Kind mit dem Freund/ der Freundin in Kontakt bleiben kann! Skype, WhatsApp, Zoom, aber auch Briefe, Postkarten etc. Es gibt so viele Möglichkeiten, die auch schon innerhalb Deutschlands funktionieren 😉

Unsere Tochter (jetzt 5 Jahre) findet telefonieren mittlerweile super und verschwindet in ihrem Zimmer, um mit ihrer besten Freundin in Deutschland zu quatschen (ich frage mich dann, in welchem Alter ich damit angefangen habe…).

Was auch super funktioniert, ist mit Großeltern per Videochat zu spielen. Sie steht beispielsweise fröhlich in ihrem Kaufladen und verkauft Oma in Deutschland virtuell Käse und Fisch. D.h. Pause für Mama – gerade in Quarantäne/ Lockdown/ Corona-Zeiten goldwert 😊

Weiter zu:

Teil 3 : Wie können wir die Meilensteine eines Umzugs ins Ausland für Kinder begreifbar machen? Wie können Bücher uns bei der Vorbereitung auf einen Umzug ins Ausland unterstützen?

Teil 4 : Wie feiern wir Abschied vor unserem Umzug ins Ausland? Wie wird der Look & See Trip ein Erfolg?

Teil 5 : Welche Rolle spielt das neue Zuhause? Wie erleichtere ich es meinem Kind, neue Freunde zu finden?

Teil 6 – coming soon: Was sollte ich beim Packen für einen Umzug ins Ausland berücksichtigen? Wie kann ich mein Kind mit der Sprache in unserem neuen Heimatland vertraut machen?

Zurück zu:

Teil 1 : Warum ist eine Vorbereitung auf einen Umzug ins Ausland in jedem Alter sinnvoll? Zu welchem Zeitpunkt sagen wir den Kindern, dass wir in ein anderes Land ziehen?

Die Tipps basieren auf meiner Erfahrung und sind als Hilfestellung und Ideengeber gedacht. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Eltern kennen ihre Kinder am besten. Vertraut auf euer Gefühl, was in eurem individuellen Fall am sinnvollsten ist.

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